Cordula Steinberg
Cordula Steinberg, Mitte 50, schreibt literarische Romane über Beziehungen, Selbstbefreiung und die stillen Dynamiken zwischen Menschen.
In ihren Texten geht es um das, was zwischen zwei Sätzen geschieht.
Um das Zögern, das Missverstehen, das leise Erkennen.
Und um die Momente, in denen etwas klar wird, ohne dass es laut wird.
Nach vielen Jahren, in denen sie andere unterstützte, begann sie zu schreiben – zunächst, um eigene Erfahrungen zu verstehen.
Aus diesem Verstehen heraus entstanden autofiktionale Bücher über weibliche Selbstermächtigung, über das Loslösen aus vertrauten Mustern und die vorsichtige Bewegung in ein anderes Leben.
Neben diesen persönlichen Romanen entstehen ruhigere, atmosphärische Geschichten.
Geschichten über Orte, an denen nichts Spektakuläres geschieht –
und genau darin etwas möglich wird.
Kleine Dörfer.
Langsame Tage.
Fensterbänke, auf denen Katzen liegen.
Licht, das sich im Laufe eines Nachmittags kaum merklich verändert.
Es sind Texte, in denen Menschen nicht sofort wissen, was sie suchen.
Und manchmal gerade deshalb beginnen, es zu finden.
Ihre Arbeit bewegt sich zwischen zwei Bewegungen:
dem Wunsch, zu verstehen –
und der Fähigkeit, einfach einen Moment lang sitzen zu bleiben.
Cordula Steinberg lebt mit ihren Hunden am Waldrand und arbeitet derzeit an mehreren Romanprojekten.
Was vom Tag übrig bleibt
Er steht auf der Aussichtsplattform der Zugspitze.
Den Gipfel selbst erklimmt man in seinem Alter nicht mehr. Aber man fährt hinauf, man steht dort oben, man sieht diesen Himmel. Das Foto ist klein, es lehnt an einer Vase auf dem Sideboard, zwischen einer Kerze und einem gefalteten Taschentuch, das niemand benutzt hat. Er trägt eine helle Jacke. Er lacht. Hinter ihm der verschneite Gipfel und Himmel, soviel Himmel, dass man fast schwindelig wird beim Ansehen — dieses weite, blasse Blau, das es nur in großen Höhen gibt, als wäre die Luft dort oben aus einem anderen Stoff gemacht.
Es war ein sehr schöner Ausflug, sagt sie.
Sie sagt es so, als wäre das wichtig. Als wäre es das Einzige, das gerade sicher ist.
Ich bin an diesem Nachmittag als Trauergast gekommen. Eingeladen war ich zur Feier — Schwarzwälderkirsch, achtzig Kerzen, das übliche Staunen über die Zeit, wie sie vergeht und einen trotzdem immer überrascht. Aber die Zeit hat diesmal nicht gewartet.
Man lernt vieles im Leben. Wie man sich entschuldigt. Wie man bittet. Wie man widerspricht, ohne zu verletzen, und wie man schweigt, ohne zu verletzen — obwohl das schwieriger ist, als es klingt.
Aber wie man jemandem gegenübersitzt, den man kaum kennt, dessen Mann vorgestern gestorben ist, heute wäre sein achtzigster Geburtstag gewesen, und was man dann sagt —
das lernt man nicht.
Man sitzt einfach da.
Über Beziehungen
Zum Lesen, wenn etwas klar werden will.
Texte über die feinen Dynamiken zwischen Menschen.
Über das, was zwischen zwei Sätzen geschieht.
Über Nähe, Missverständnisse und die leisen Verschiebungen, die manchmal alles verändern.
Langsame Tage
Zum Lesen, wenn es still werden darf.
Geschichten über Orte, an denen nichts passieren muss.
Über Landschaft, Licht und kleine Veränderungen.
Und über die ruhige, oft übersehene Kraft eines Moments.
